Parasiten/ Kotuntersuchung

Geschrieben am 04.07.2021
von Ines Kosin

Ein Parasitenbefall kann im hohen Maße schmerzhaft sein und unbehandelt sogar tödlich enden (Darmverschluss). Es ist daher notwendig, regelmäßig zu überprüfen, ob die Schildkröten davon betroffen sind, um enstprechend rechtzeitig eingreifen zu können. Mit einer Kotrobe, welche vom Tierarzt oder Institut untersucht wird, kann man schnell heraus finden, wie es um den Stand der Dinge steht. Diese Kotprobe ist jederzeit möglich, das heißt während der aktiven Zeit, wo Kot abgesetzt wird, kann man frei entscheiden und somit bei jedem Verdacht eine Untersuchung anstreben.
Gibt es jedoch keinen Verdacht (auffälliger Kot oder auffälliges Verhalten), dann empfiehlt es sich, einmal jährlich, am besten im Juli, den Kot untersuchen zu lassen. Das hat den Hintergrund, dass wir gerne eine "parasitenfreie" Schildkröte in die Winterstarre schicken möchten. Für die Wurmkur ist Wärme notwendig. Damit die Schildkröte im Falle eines positiven Befunds nicht ins warme Haus und einem dortigen Zimmergehege umgesiedelt werden muss, sind die Sommerwochen ganz praktisch. So kann die betroffene Schildkröte während der Wurmkur weiterhin im warmen, gewohnten Freigehege leben. Für sie ist das Ganze also fast stressfrei. 

Das heißt also Folgendes:
Im Juli sammelt man den Kot der Schildkröte, am besten 2-3 verschiedene (kann man zwischenzeitlich mit einem Tropfen Wasser kühl lagern) und packt diese in ein Kotröhrchen.  Ein solches Röhrchen bekommt man online (Link s.u. unter den Videos), in Apotheken oder beim Tierarzt. Pflegt man eine Gruppe mit mehreren Schildkröten, kann man selbst entscheiden, ob jede Schildkröte ihr eigenes  Röhrchen bekommt oder man den Kot zusammen in ein Röhrchen gibt. Denn wenn eine positiv ist, muss der ganze Bestand entwurmt werden.
Dieses Kotröhrchen bringt man einem Reptilienspezialisten vorbei oder schickt es dorthin oder nutzt alternativ ein Institut wie z.B. Exomed oder CVUAL (Frau Blahak).
Ist der Befund positiv, wird eine Wurmkur empfohlen. Ist sie negativ, nicht. 
Welches Medikament in welcher Dosierung verabreicht wird, hängt von der Art der Parasiten ab. In der Regel muss man aber inklusive Verstoffwechslung dessen 6-8 Wochen Zeit einplanen. Während dieser Zeit braucht die Schildkröte tagsüber gern Zimmertemperatur (plus natürlich Wärmelampe) und nachts nicht weniger als 15°C. In der Regel schafft man dies bei rechtzeitiger Wurmkur im Gehege ganz gut umzusetzen.

Etwa 2-4 Wochen nach der letzten Gabe lässt man den Kot neu untersuchen, um zu schauen, ob die Wurmkur ausreichend angeschlagen hat oder wiederholt werden muss. In der Regel ist eine Wiederholung nicht nötig.

 




Manche Tierärzte empfehlen während der Wurmkur eine sterile Haltung auf Zeitungspapier mit der Begründung, das Gehege würde sonst durch die Ausscheidungen infiziert und die Gesundheit gefährdet werden.  Ich selbst halte von der Methode nichts, denn Parasiten sind einfach Teil der Natur. Nicht (nur) die Anzahl der Parasiten in der Natur entscheidet, wie schnell man sich damit infiziert sondern (hauptsächlich) die Darmflora entscheidet, ob sie den Anforderungen der Parasiten gerecht wird. Fehlt den Parasiten die Nahrungsgrundlage, können sie sich nicht vermehren. Das gilt für uns Menschen übrigens genauso. Allerdings sind Spulwürmer tatsächlich sehr hartnäckig, alle anderen bekommt man recht gut in den Griff.
Das heißt statt hier ein großes Hygienekonzept für die Innenhaltung auszupacken ist es wesentlich sinnvoller, dafür zu sorgen, ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Die Ernährung findet also so statt, dass die Parasiten möglichst wenig Interesse daran haben. Das heißt Obst, Gemüse, Salate, Fleisch, Fisch und Getreide gehören nicht auf den Speiseplan. Nacktschnecken werden, wann immer man welche sieht, aus dem Gehege entfernt. Das Freigehege besteht aus mageren Boden, nicht aus nährstoffreichen. Das Gehege wird nicht bewässert (nur das Frühbeet mit Schlafplatz) und im Sommer werden so viele getrocknete Wildkräuter wie möglich angeboten. Wenn nötig werden auch Wildkräuter im Gehege geschnitten, um das frische Nahrungsangebot zu reduzieren und durch Trockenes zu ersetzen (Achtung: Ausreichend Struktur und Schattenplätze müssen bestehen bleiben).  Die Wasserstelle wird je nach Jahreszeit mind. 1x/ Tag gewechselt und Kot aus dem Gehege entfernt. Man muss nicht mit der Lupe auf Spurensuche gehen, eine naturübliche Kotmenge ist in Ordnung. Es geht nur darum, ein unnatürliches Übermaß an Kot zu verhindern.
Je öfter Schildkröten mit Parasitenbefall zu kämpfen haben, desto sinnvoller ist die Überprüfung des Nahrungsangebotes und ob dieses umgestellt/ verbessert werden muss.