Die Ernährung

Geschrieben am 01.01.2020
von Ines Kosin

Bei der Ernährung spielen mehrere Faktoren eine Rolle

  • Die Nahrung selbst
  • Die veränderten Nahrungsbestandteile im Jahresverlauf
  • Die Beschaffung der Nahrung
  • Der unterschiedliche Bedarf je nach Jahreszeit und Witterung

Das bedeutet, wie überall in der Haltung, dass wir uns am natürlichen Lebensraum orientieren und die Art und Weise, wie Schildkröten an welche Nahrung gelangen, nachahmen. Dort fällt als erstes auf, dass die Schildkröten den ganzen Tag umher spazieren und mal hier und mal dort etwas fressen. So etwas nennt man Weidegänger. Das bedeutet, die Schildkröten fressen nicht zu bestimmten Zeiten und an einem Platz, zum Beispiel 3x täglich von einem Futterteller, sondern den ganzen Tag mal hier und dort. Sie suchen sich die Nahrung selbst und fressen viele verschiedene Sorten.



Was fressen sie? Schildkröten fressen Wildkräuter. Vielleicht läuft auch mal eine Kellerrassel, ein Insekt oder ein Regenwurm über den Weg, aber das ist eher die Ausnahme und nicht Teil gezielter Fütterung in Gefangenschaft. Schildkröten fressen den ganzen Tag Wildkräuter, und davon sehr viele verschiedene Sorten. Ihnen also einen Teller voll Löwenzahn anbzubieten würde den Sinn verfehlen, weil erstens das Angebot sehr einseitig ist, zweitens sehr üppig auf einem Haufen und drittens animiert dieser Futterteller nicht zur Bewegung, die selbstständige Nahrungssuche fehlt.

Typische Kulturpflanzen oder Früchte gehören nicht auf den Speiseplan. Das bedeutet, Obst, Gemüse, Salate oder Fertigprodukte sind ungesund für unsere Lieblinge. Dass Schildkröten im mediterranen Raum durchaus mal über Melonen- oder Erdbeerfelder spazieren und sich dort den Bauch voll schlagen oder sich in Hotelanlagen von Urlaubsgästen verwöhnen lassen, mag zwar möglich sein, hat aber nichts mit der Natur und Aufrechterhaltung der Gesundheit zu tun. Diese durch den Menschen veränderten Lebensräume sind weit entfernt von dem, was die Natur vorgesehen hat. Hotelanlagen, Obstplantagen, Landwirtschaft, ... all dies ist die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen und darf nicht als Vorbild gesehen werden. Vorbild sind die möglichst unberührten Lebensräume, versteckt im Inneren der Macchie oder Garigue. 

Die Wildkräuter verändern ihre Bestandteile der Jahreszeit entsprechend, und genau dies sollten wir auch in Gefangenschaft ermöglichen. Im Frühjahr sprießen die Triebe, sie sind eiweiß- und nährstoffreich. Ein ideales Startfutter nach der Winterstarre. Im Sommer nimmt der Energiegehalt ab, während der Rohfaseranteil zunimmt. Im Spätsommer sind die Wildkräuter so stark vertrocknet, dass nur noch sogenanntes Kräuterheu (kein Gräserheu) zur Verfügung steht. Bei uns hingegen sind auch die Sommer oft grün, weshalb es vorteilhaft ist, mit getrockneten Wildkräutern zuzufüttern und die im Gehege wachsenden Wildkräuter nicht zu bewässern. Diese rohfaserhaltige Nahrung ist die ideale Abwehr für Parasiten und das Verhindern dessen Vermehrung. Die rohfaserreiche Nahrung im Sommer fördert eine gesunde Darmflora. Im Herbst ist es im natürlichen Lebensraum durch neue Niederschläge frisch grün, die Blumen und Kräuter erwachen wieder zum Leben, gerne auch "zweiter Frühling" genannt. Ideal zur Energieversorgung frisch geschlüpfter Schildkröten und als letzte Mahlzeiten vor der Winterstarre, wo die Futteraufnahme pausiert. Je weiter es in den Herbst geht, desto weniger Futter wird aufgenommen.

Unter dem Link innerhalb der App finden Sie Schildkrötenshops, wo Sie Wildkräuter(-samen) bestellen können.



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Zusätzlich zur Selbstversorgung im Gehege ist die Kalziumversorgung von großer Bedeutung. Zwar enthalten die Wildkräuter je nach Sorte reichlich Kalzium, je nach Bedarf reicht dieses aber nicht aus, um den Bedarf zu decken. Das Aufsuchen separater Kalziumquellen ist dann vonnöten. Die beste bewährte Methode ist das Bereitlegen von Sepiaschalen, welche in der Mitte einmal gebrochen und mit der harten Seite nach unten im Gehege verteilt werden. Je nach Charakter sind durch die Witterung "eklig" gewordene Sepiaschalen besonders beliebt.

Bei Jungtieren ist Algenkalk sehr beliebt, sollte allerdinghs die Sepiaschale nicht ersetzen sondern vielmehr als Zusatz gesehen werden. Auch Knochen und Schneckenhäuser sind ideal zum Nagen, fördern den Schnabelabrieb und die Kalziumversorgung. Ungeeignet ist das Anbieten von Hühnereierschalen. Für weitere Informationen kann ich die Homepage "Testudowelt" sehr empfehlen. Der höchste Bedarf besteht während einer Wachstumsphase oder während der Beschalung der Eier. Wird kein kalzium angerührt, braucht man sich keine Sorgen machen. Schildkröten können gut den Bedarf selbst einschätzen und knabbern nur dran, wenn sie es brauchen. Niemals sollte man Kalzium über das Futter streuen. einzige Ausnahme ist eine tierärztlich diagnostizierte Rachitis.