Ernährung im Sommer

Geschrieben am 04.08.2021
von Ines Kosin

Dass sich die Schildkröten ganzjährig von Wildkräutern ernähren sollten, dürfte jedem bekannt sein. Falls dies noch nicht bekannt ist oder ihr (nochmal) etwas dazu lesen wollt, findet ihr hier den Artikel in der App zur Haltung allgemein und im Shop findet ihr in der Literatur (allgemeine Haltung oder in der Kategorie Ernährung) gute Bücher rund um das Thema.

So nun aber zur Ernährung im Sommer. In den Sommermonaten Juli & August dürfen die Wildkräuter, die wir in Herbst und Frühjahr anbieten bzw. im Selbstversorgergehege als solche direkt und frisch abgefressen werden, frisch sein. In den Sommermonaten hingegen darf auf dem Speiseplan gern sehr viel Rohfaser enthalten sein. Dies dient einerseits dazu, dem Verdauungstrakt das zu bieten, was er von Natur aus gewöhnt ist und somit genau darauf eingestellt ist, denn wir orientieren uns wie immer am Habitat, wo zur jetzigen jahreszeit kaum mehr Frisches zur Auswahl bereit steht. Das Andere ist, dass durch den hohen Rohfasergehalt man auch die Parasiten ein wenig in Schacht halten kann. Unabhängig davon, ob eine Wurmkur ansteht oder nicht, hat die rohfaserreiche Ernährung einen vorbeugenden Einfluss gegen einen massiven Parasitenbefall. 




Wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus?
Erst einmal haben wir das Problem, dass unser Klima von dem mediterranen Raum abweicht und somit grundsätzlich mehr Frisches zur Verfügung steht. Da ein Gehege wild mit Wildkräutern bepflanzt ist, haben wir nur wenig Einfluss auf dessen Angebot. Ganz machtlos sind wir jedoch nicht, denn einerseits dürfen wir gern auf das Bewässern komplett verzichten. Es werden lediglich punktuell die Pflanzen bewässert, die sonst nicht neu austreiben würden bzw. an denen man selbst stark hängt. Ansonsten bleibt alles unbewässert. Die Pflanzen werden zwar nicht komplett weg trocknen, aber man erkennt im Gegensatz zum gepflegten Grün des eigenen Gartens, dass es hier deutlich brauner. 



Das Nächste ist, dass wir Wildkräuter durchaus zurück schneiden und liegen lassen dürfen. Das heißt nicht, dass wir nun radikal das gesamte Gehege durchtrimmen und dadurch eine gartenähnliche flache Ebene entsteht, sodass es den Schildkröten an Schutz, Schattenplätzen, Tarnmöglichkeiten und Struktur fehlt. Es sollen gern Pflanzen stehen bleiben, um das wilde Flair zu erhalten. Wir dürfen jedoch gezielt einzelne Pflanzen herunter schneiden. Wenn wir dies an warmen Sommertagen morgens tun, trocknen diese über den Tag hinweg ausreichend an,  um wertvolle Nahrungsquellen zu sein. Das hat auch den Vorteil, dass zum Beispiel Brennnesseln, die zu groß zum selbstständigen Fressen sind, nun als Nahrungsquelle zur Verfügung stehen. 

Und dann geht es ans Zufüttern. Wir düngen das Freigehege also aus, es wird durch die "Nahrungsreduzierung" ein wenig karger. Es ist auch nicht schlimm, ein wenig Nahrungsknappheit nachzuahmen, denn auch das ist zu dieser Jahreszeit natürlich. Beim Zufüttern konzentrieren wir uns nun darauf, getrocknete Wildkräuter anzubieten. Diese kann man zuvor selbst getrocknet haben (bitte jedoch erst im Sommer trocknen, nicht schon im Voraus im Frühjahr, da die Pflanzen dann noch sehr nährstoffreich sind, was wir im Sommer vermeiden wollen) oder aber auf Produkte aus dem Handel zurück greifen. Bitte achtet beim Kauf darauf, dass zu 100% Wildkräuter enthalten sind, kein Gemüse, kein Getreide, kein Obst. Solche Tütenware findet man u.A. in der Nagerabteilung oder in dem in der App hinterlegten Shop. Diese Wildkräuter dürfen dann wie gewohnt wild im Gehege verteilt werden und nicht auf einem Teller gesammelt angeboten (Anregung der selbstständigen Nahrungssuche).



Möglich ist auch die Verwendung von sog. Cobs. Das sind Kräuter, die zu Cobs gepresst wurden und vor der Anwendung in Wasser eingeweicht. Achtet bei der Verwendung von Cobs ebenfalls bitte wieder auf die Zutatenliste. Cobs sind häufig mit Gräsern versehen, wodurch sie bei Schildkröten wenig atttraktiv sind. Gräser haben nur wenig Nutzen, sie schaden zwar nicht, werden aber in der Regel nur dann gefressen, wenn nichts Anderes zur Verfügung steht. Es ist daher nicht ungewöhnlich, wenn Gras, Heu und Cobs nicht angerührt werden. 
Ich selbst halte von diesen Cobs nicht viel aus folgenden Gründen: Wir wollen im Frühjahr und Herbst frische Wildkräuter anbieten, im Sommer getrocknet. Diese Cobs sind irgendwie weder frisch noch getrocknet. Sie werden getrocknet und dann wieder eingeweicht. Ein aus meiner Sicht unnatürlicher Vorgang. Als Notlösung durchaus denkbar, aber als Grundernährung halte ich es als zu unnatürlich. Zudem ist die Zutenliste unbekannt, und genau diese halte ich für wichtig.



Zusammengefasst:

  • Im Sommer bieten wir überwiegend getrocknete Wildkräuter an. Da sie in der Regel als Ganzes nützlich sind, sind auch die saisonalen Blüten Bestandteil davon
  • Die Wildkräuter im Gehege werden nicht bewässert
  • Überschuss wird zurück geschnitten und zum Trocknen und Verzehr im Gehege liegen gelassen.
  • Zugefüttertes Kräuterheu wird wild verteilt (selbstständige Nahrungssuche). Reste dürfen liegen bleiben.
  • Cobs werden eingeweicht angeboten und Reste dessen müssen am Folgetag entsorgt werden.
  • Gräserheu hat wenig Nutzen, empfehlöenswert ist Kräuterheu mit 100% Wildkräutern
  • Wie gewohnt wird Folgendes nicht gefüttert: Obst,  Salate, Gemüse, Kohl, Getreide, Fleisch, Milchprodukte
  • Der Boden hat Einfluss auf den Nährstoffgehalt der Pflanzen, ein magerer Bodengrund im Freigehege und dort, wo Wildkräuter gesammelt werden, ist vorteilhaft, sinnvoll und gesundheitsfördernd