Technik

Geschrieben am 01.01.2020
von Ines Kosin

Die Technik im Frühbeet ist für Schildkröten sehr wichtig. Allerdings wird die Bedeutung durchaus über- oder unterschätzt, indem manche diese stark reduzieren bzw. ganz verzichten oder es etwas zu gut meinen mit durchgehender Wärme (nächtliches Reinholen ins Haus, dauerhafte Terrarienhaltung, etc.). Daher ist es wichtig, sich ein Bild davon zu machen, wofür die Technik überhaupt nötig ist, welche Technik welchen Zweck erfüllen soll, welche Temperaturen und welche Brenndauer zu welcher Jahreszeit nützlich ist, denn am Ende geht es darum, den Schildkröten die bestmöglichen Voraussetzungen zu geben, damit die Schildkrötengesund leben können.



Schildkröten gehören zu den wechselwarmen Tieren, das bedeutet sie können ihre Körperwärme nicht selbst herstellen sondern sind einerseits durch die Umgebungstemperatur darauf angewiesen, andererseits suchen sie sich aktiv innerhalb der zur Verfügung stehenden Klimazonen die Vorzugstemperatur, die gerade in dem Moment nötig ist. Die Stoffwechselabläufe sind abhängig von der Temperatur. Damit also die Körper- und Organfunktionen weder unterversorgt noch daueraktiv sein müssen, ist ein Wechsel passend zum Tagesrhytmus und der Jahreszeit nötig. Weder der Verzicht auf die Technik noch eine Dauerbestrahlung im Terrarium ist von Vorteil, beides belastet den Körper, da beides unnatürlich und nicht für die Schildkröte vorgesehen ist. So manche Leute sind der Meinung, Schildkröten seien extrem anpassungsfähig und somit wäre die Haltung dieser Tiere relativ einfach. Aber so ist das nicht. Es stimmt zwar, dass Schildkröten sich dem Klima anpassen können, wenn es sich um natürliche Veränderungen über Jahrtausende, Millionen Jahre hinweg handelt, aber das Anpassen bei uns in Gefangenschaft ist zu plötzlich und unnatürlich. Wir wollen die Natürlichkeit der Schildkröten schätzen, respektieren und beibehalten. Zahlreiche Tierarztbefunde und Sektionsberichte beweisen, dass sowohl die sogenannte Kalthaltung (Haltung ohne Technik)  als auch die sogenannte Dampfaufzucht (dauerhaft warme Haltung im Haus) Erkrankungen begünstigt, das Immunsystem schwächt und die Lebenserwartung senkt. Da Schildkröten still und lange Leid ertragen können, kann das "Akzeptieren" falscher Haltungsbedingungen falsch gedeutet werden, Fehler des Halters werden leicht ignoriert und ins Positive umgelenkt nach dem Motto "Meine Schildkröte lebt schon 40 Jahre lang so, ihr geht es gut". Aber so ist das nicht. Als verantwortungsbewusste, liebevoller Halter muss es unser Interesse sein, den Schildkröten eine artgerechte Haltung zu ermöglichen nach dem Vorbild des natürlichen Lebensraumes.



Was brauchen wir dazu?

  • Eine Wärmelampe für den Tag als lokale Wärme (z.B. Par38 Strahler oder Spotlampen), sie ahmt die Wärme der Sonnenstrahlen nach
  • Eine Zeitschaltuhr, damit die Lampe der Tageslänge angepasst brennt oder ein Thermostat, um zusätzlich zur Zeit die Temperatur einstellen zu können
  • Eine Heizung für die Nacht, damit zwar die nächtliche Temperaturabsenkung gewährleistet bleibt, es jedoch nach dem Vorbild des natürlichen Lebensraumes warm genug bleibt. Wärme sollte dabei immer von oben kommen und nachts dunkel bleiben (z.B. Elsteinstrahler, Heizlüfter, Frostwächter, Gewächshausheizung, Heizkabel, Wärmematte)
  • Thermostat für die Heizung, damit die Heizung nicht dauerhaft in Betrieb ist sondern nur, wenn die eingestellte Temperatur unterschritten wird.
  • Bei Bedarf ein 400W HQI Strahler, das macht insbesondere in Regionen mit wenigen Sonnenstunden oder eher schattig platzierten Gehege Sinn, diese Helligkeit stimuliert das Tageslicht, wenn auch nie so gut wie die Sonne selbst

Zur Orientierung können Sie zum Beispiel die Wetterberichte aus der App nutzen. Zwar sind die Wetterstationen nicht im Lebensraum und nicht auf Höhe der Schildkröte platziert, aber man bekommt einen ungefähren, ganz groben Anhaltspunkt dafür, wie warm es momentan ist. 

Die Wärmelampe darf ganztags der Tageslänge angepasst werden, also als Beispiel 8-17 Uhr. Zur Dämmerung sollten die Lampen aus sein. In den Sommerwochen kann es sein, dass durch den Treibhauseffekt eine Umgebungstemperatur von 35°C im Frühbeet erreicht wird. Verwendet man kein Thermostat, kann die Lampe bei dieser Temperatur aus geschaltet werden.

Während der Herbstwochen vor der Winterstarre wird die Brenndauer der Lampe stark reduziert, insbesondere zu den Nachmittagsstunden. Dies ist im Kapitel Winterstarre achzulesen.