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Aktivität im Winter

Geschrieben am 20.02.2021
von Ines Kosin


Eigentlich ist noch Winter ... oder doch nicht (mehr)?

Die Schildkröte wird aktiv, hat sie keine Lust mehr zu starren? Ist die Winterstarre vorbei, wintert sie sich gerade aus? Ist sie krank? Was soll ich tun, auswintern? Technik wärmer einstellen? Tierarzt aufsuchen? An einen anderen Überwinterungsort umsiedeln? Futter/ Wasser anbieten? In Ruhe lassen?

In diesem Beitrag geht es darum, warum sich Schildkröten im Winter "zu Wort melden" und wie ihr damit umgehen könnt.

 

Unterschied zwischen den Überwinterungsorten

Als erstes möchte ich auf den Überwinterungsort eingehen.  Je nach Überwinterungsort ist nämlich mehr oder weniger Handlungsbedarf gegeben. Die natürlichste Form der Überwinterung stellt das Frühbeet oder die Überwinterungsgrube dar. Hier haben die Schildkröten konstant kalte Erde mit ihrer Pufferwirkung, dennoch aber schwankende Luftemperaturen auf natürlicher Basis, unterstützt durch die Technik. Die Schildkröten haben also die freie Wahl, ob sie das kühle Erdreich nutzen wollen, ob sie nur leicht eingegraben sind, ob sie auf der Erde starren oder sich gezielt zu den sonnigen Bereichen gesellen, um diese wärmenden Strahlen zu nutzen. All diese Temperaturzonen wie gesagt sind in der Regel natürlich, es gibt also keine gesundheitsschädliche Zone. Schildkröten, die dort aktiv werden, nutzen einfach nur ihren Bedarf daran. Nicht mehr und nicht weniger.

Anders sieht es im Kühlschrank aus. Hier ist es konstant kalt und dunkel. Zudem entzieht die Technik den Sauerstoffgehalt und bei jedem Öffnen der Tür strömt zimmerwarme Luft hinein. Nicht selten kommt es ab Januar/ Februar zu Problemen wie z.B. Panzerröte. Schildkröten, die im Kühlschrank aktiv werden (und damit meine ich keinen Positionswechsel, zeitlich begrenzte offene Augen oder begrenzte Aktivität sondern aktive Tiere über mehrere Tage hinweg), bedürfen daher ein strenges Beobachterauge, denn die Bedingungen signalisieren eigentlich "dunkler, kalter Wintertag". Die Schidlrköten haben keine Möglichkeit, den Bedingungen auszuweichen. Überall ist es gleich kalt und dunkel. Aktivität hat also biologisch gesehen keinen Nutzen. Wer aktiv wird hat hier meist Probleme. Das kann ein unbehandelter Parasitenbefall, eine Panzerröte oder vieles mehr bedeuten.  Aktive Tiere im Kühlschrank haben die Starre nicht beendet, gehören aber auch nicht weiter an diesen Ort.

Im Keller, Schuppen oder Garage hat das Wetter Einfluss, wenn auch zeitverzögert, durch die äußeren Umstände. So kann ein milder Winter dafür sorgen, dass die Temperaturen auf 8°C oder mehr ansteigen. Das Problem: Die Schildrköten können dem nicht entweichen. Weder können sie sich in kalte Erde zurück ziehen, um weiter zu starren noch die Sonne nutzen, um den Stoffwechsel anzukurbeln. Sie warten also. Auf Kälte oder Wärme. Das ist nicht gesund. Man braucht zwar nicht in Panik zu verfallen, nicht sofort ist es schädlich, aber es sollte eben eine Ausnahme und nicht die Regel sein.



Was sollt ihr nun machen?

Bei der Grube oder im Frühbeet braucht ihr nichts machen. Die Schildkröten nutzen bei Bedarf die Sonnenstrahlen. Der Zugang zum Freigehege bleibt zu, die Lampen aus. Die Technik ist weiterhin "auf Winter" programmiert. Sobald die Sonne untergeht, ziehen die Schildkröten sich wieder zurück in ihr Überwinterungsquartier und starren dort weiter. Diese Aktivität mitten im Winter ist kein Grund zur Sorge sondern auch in vielen Habitaten die Normalität. Auch dort sonnen sich die Schildkröten, je nach Region natürlich, mitten im Winter. Das hat den Vorteil, dass die durch den Winter angesammelten Abbaustoffe nun besser verstoffwechselt und ausgeschieden werden. Das heißt: nur jene Schildkröten, wo diese Ansammlung an "Müll" belastend wird, sie nutzen die Sonne. Alle anderen starren weiter. Aus diesem Grund empfinde ich es als vorteilhaft, das Frühbeet entgegen vieler Empfehlungen nicht zu beschatten sondern die Sonne wirken zu lassen. Auch der Einsatz eines Thermometers, welches sowohl die Temperatur im Boden als auch die Luftemperatur aufzeichnet, kann helfen. Hier könnt ihr euch davon überzeugen, dass zwar die Lufttemperatur schwankt, die Bodentemperatur aber recht konstant bleibt. Je tiefer, desto konstanter.

An allen anderen Überwinterungsorten würde ich euch Folgendes empfehlen: Ab Januar/ Februar vermehren sich wie gesagt die Probleme.  Nur selten ist aber tatsächlich ein Tierarzt nötig. Die Schildkröten brauchen einfach "nur" natürliche Bedingungen, um mit der mehr oder weniger anfallenden Belastung klar zu kommen. Daher rate ich euch dazu, die Schildkröten ins Frühbeet/ Schlafhaus umzusiedeln und die Technik dort wieder in Betrieb zu nehmen und ca. 5°C einzustellen.  Dadurch können die Schildkröten sich (innerlich) deutlich besser auf die Auswinterung vorbereiten als wenn sie im "fertigen" Frühling aus dem "Modus Winterstarre" gerissen und umgesiedelt werden.



Ist die Starre nun beendet oder nicht?

Viele sind in dem Glauben, dass Schildkröten, die irgendwann im Winter aktiv werden, die Starre für beendet erklären und die Halter entsprechend überfordert sind, nun plötzlich alles auf Frühjahr zu programmieren, Nahrung zu beschaffen und eine artgerechte Haltung mitten im Winter umzusetzen. Aber halt ! Aktivität bedeutet nicht Auswinterung. Aktiv im Winter zu sein (dazu zähle ich alles vor dem März) bedeutet, dass die Schidlrköten einfach nur Sonne brauchen. Angesammelte Stoffwechselaubbaustoffe können sonst nicht verarbeitet werden und belasten den Körper. Die Aktivität beschränkt sich also auf den Bedarf und die Tage des Sonnenscheins. Manche haben nur einen Vormittag lang Bedarf an Sonne, andere 3 Tage und wieder andere überhaupt nicht. Es ist also immer gut, den Schidlrköten "ein Buffet an natürlichen Möglichkeiten" zu bieten und sie in ihrer Selbstentscheidung zu lassen. Die eigentliche Ausiwnterung findet erst dann statt, wenn es nicht nur schön ist sondern auch schön bleibt. In der Regel ist es irgendwo im Laufe des März der Fall, je nach Region und Jahr auch früher oder später. Dioe Auswinterung bedeutet, dass eine Temperatur nachts im Frühbeet von 10-12°C problemlos gehalten werden kann und tagsüber in etwa 18°C oder mehr herrschen können. Nur kranke Tiere werden vorzeitig ausgewintert.

Fazit:

Aktivität ist kein Grund zur Sorge, ich empfehle euch aber, die Schildkröten im Frühbeet/ Grube/ Schöafhaus (weiter) starren zu lassen, damit sie vom Treibhauseffekt profitieren und selbstständig zwischen den Temperaturzonen wählen können. Wasser und frische Wildkräuter könnt ihr anbieten, meist besteht aber kein bedarf daran. Die Wärmelampe könnt ihr nach 2-3 aufeinander folgenden Tagen anbieten. Die eigentliche Auswinterung findet im Laufe des Mräz statt und bedeutet, etappenweise die nächtliche Temperatur innerhalb wneikger tage anzuheben und bei 10-12°C nachts zu halten. Tagsüber ist Zimmertemperatur und die Wärmelampe wichtig. 

Mein zusätzlicher Tipp:



Hier seht ihr meine große Grube. Ich habe ab dem letzten Drittel der Starre optional eine Hohlkammerplatte drauf liegen. Diese setze ich ein, wenn die Sonne scheint. Spätestens zur Dämmerung wird die Platte entfernt und der Deckel geschlossen. Dadurch werden die Schidlrköten langsam auf die Auswinterung vorbereitet. So komme ich je nach Intensität von 5°C auf 6-8°C. Das heißt durch diesen zeitlich begrenzten Treibhauseffekt erwärme ich langsam, schonend und mehr oder weniger natürlich die Luft und langfristig auch die Bodentemperatur. "Geblendet" werden die Tiere jedoch nicht dadurch, denn sie starren irgendwo unter dem Laubhaufen in der Erde. Aber sie spüren die Sonne. Wer Bedarf hat, nutzt sie und "zieht weiter" ins daneben angeschlossene Gewächshaus. Wer keinen Bedarf hat, starrt weiter. Für mich eine gute Methode. Die Auswinterung wird somit vorgezogen ohne dass dadurch aber Nachteile entstehen. Ohne diesen Treibhauseffekt kommen die Tiere erst gegen Ende März/ Anfang April zum Vorschein. Mit Treibhaus einige Wochen vorher, jedoch nicht vor Anfang März.  Wer seine Schildkröten im Frühbeet starren lässt, braucht so etwas natürlich nicht. Wer hingegen seine Grube ins Frühbeet integriert hat, würde ich empfehlen, optional an Schönwettertagen dessen Deckel tagsüber zu öffnen.