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Träge während oder nach der Auswinterung?

Geschrieben am 02.04.2021
von Ines Kosin


Das Frühjahr klopft an der Tür und wir erwarten sehnsüchtig, dass die Schildkröten zur Auswinterung aktiv werden und auch aktiv bleiben. Immer wieder berichten jedoch besorgte Schildkrötenhalter, dass die Schidlrköte nicht so richtig "wach" werden möchte oder nach ersten aktiven Tagen sich wieder zurück zieht.

Hier gilt es aus meiner Sicht als erstes, den Überwinterungsort zu berücksichtigen. Schildkröten aus Kühlschränken sind nämlich seit Monaten konstanter Dunkelheit und Kälte ausgesetzt. Und nun plötzlich werden sie daraus "gerissen", plötzlich sehen sie wieder Tageslicht und spüren Veränderungen in der Temperatur. Aus meiner Sicht ist es völlig verständlich, dass so manche Schidlrköte mit deser Flut an Eindrücken erst einmal überfordert ist und sich zurück zieht. 

Bei der Überwinterung in der Überwinterungsgrube haben wir hingegen das "Problem", dass die Schildkröten dort meist deutlich tiefer eingegraben sind als woanders, das heißt auch wenn das Frühbeet 25°C warm ist, sind es irgendwo in 50 oder 100cm Tiefe noch weiterhin 5°C. Beobachtet also nicht nur die Luft- sondern auch die Bodentemperatur.

Die Temperaturen zur Auswinterung sind ebenso von Bedeutung, nicht nur tagsüber sondern auch nachts. Zur Auswinterung zählt also, tagsüber die Wärmelampe anzubieten und nachts 10-12°C zu gewährleisten.

Zu guter letzt hat die Natur noch ein Wörtchen mitzureden. Da kann die Technik noch so perfekt eingestellt sein: Wenn das Wetter nicht mit spielt, lässt sich nicht jede Schidlrköte mit Technik "austricksen". Sie "warten" also weiterhin auf den Frühling. Schaut also gern, dass euer Frühbeet möglichst sonnig platziert ist und bewertet nicht nur das aktuelle Wetter sondern werft auch einen Blick in die Wettervorhersage. Bleibt es shcön, warm und sonnig, werden die Schildkröten bald aktiv. Ist oder wird es schlechter, ist zurückgezogenes Verhalten keine Seltenheit. Bei Bedarf ist es sinnvoll, zusätzlich (übergangsweise) einen HQI Strahler einzusetzen, da neben Wärme auch Helligkeit eine bedeutende Rolle für Aktivität, Gesundheit und Wohlbefinden sind. Auch das Öffnen des Schlafhauses, der Überwinterungsgrube oder eines UV beständigen Frühbeets kann Aktivität fördern, da dann die Sonne ungehindert direkt bei den Schidlkröten wirken kann.

Bi diesem Foto seht ihr zum Beispiel meine Überwinterungsgrube. Hier ist es recht konstant kalt, es dauert eine gefühlte Ewigkeit, ehe die warme Umgebungstemperatur dort wirkt. Daher, wenn die Sonne scheint, lege ich ab dem letzten Drittel der Starre tagsüber eine 16mm starke Hohlkammerplatte drauf. So kann Licht einfallen und Wärme wirken. Nachmittags wirds langsam wieder kühler und dunkler, bis ich den Deckel wieder schließe. Mit dieser Methode sind die Schildkröten deutlich zügiger aktiv ohne dass ich hier unnatürlich schnell oder durch Ausbuddeln nachhelfen muss.



... und da es in Textform durchaus noch unverständlich und verwirrend klingt, gibts nochmal die Stichworte zusammen gefasst

  • Gewährt den Schidlkröten Zeit, mindestens eine Woche würde ich einplanen
  • Schildkröten, die nicht im Frühbeet/ Grube starren, würde ich erst einmal nach der Umsiedlung mindestens einen Tag lang bei gewohnten nächtlichen 4-6°C im Frühbeet weiter starren lassen, ehe die technische Auswinterung in Angriff genommen wird
  • Aktivität am Tage im Winter ist nicht gleichzusetzen mit der Auswinterung, auch wenn der Übergang im Frühling fließend und somit für Laien schwer auseinander zu halten ist
  • Die technische Ausiwnterung dauert 3 Tage, die Aktivität darf davon abweichen
  • Jede Schidlrköte ist anders. Vergleicht nicht mit anderen Schildkröten sondern jede Schildkröte mit sich selbst. Ist sie ihrem Charakter treu?
  • Regional gibt es große Unterschiede. Im Vergleich mit anderen Schildrkötenhaltern: Lasst das dortige Wetter nicht außer Acht
  • Schaut das Wetter bei euch an: Ist es warm, sonnig, frühlingshaft und macht Lust auf Aktivität oder ist es bewölkt, kühl, regnerisch, .... Das gilt auch für die Vorhersage der nächsten Tage

Ergänzend gibts dazu nun noch Videos:


Sollte die Schidlrköte trotz bester Umstände inaktiv bleiben, sich charakteruntypisch verhalten oder sich bei gleichbleibend schönen Wetter plötzlich negativ verhalten, seid ihr auf der sicheren Seite, wenn ihr einen Reptilienspezialisten um Rat fragt. Ruft gerne vorher an, da einerseits in einer Praxis nicht unbedingt der Spezialist sondern nur "normale" Tierärzte Zeit haben und andererseits kann er euch sagen, was ihr in der Zwischenzeit unterstützend noch machen könnt oder ob ihr bei Ankunft etwas berücksichtigen sollt wie z.B. Wärme für eine gelungene Blutabnahme oder Kot für eine solche Untersuchung bzw. Kälte, wenn eine Sepis droht und Wärme in diesem Fall eine solche beschleunigen würde.