Artenschutz & Nachweispflicht

Geschrieben am 01.01.2020
von Ines Kosin

Griechische Landschildkröten unterliegen wie auch die anderen europäischen Landschildkröten dem Washingtoner Artenschutzeinkommen. Das bedeutet, dass eine Haltung dieser Tiere nur mit der gültigen gelben EU Bescheinigung (gerne auch Cites genannt, welche früher blau waren) erlaubt ist. Damit der Wohnort dieser Tiere ordnungsgemäß hinterlegt ist, steht der Halter in der Pflicht, seinen Bestand bei der für sein Bundesland zuständigen Behörde zu melden. Bei Verkauf, Schenkung, Tod, Diebstahl oder auch beim Entlaufen muss dies ebenfalls der Behörde mitgeteilt werden.

Damit die Papiere stets nachvollziehbar mit dem Tier in Verbindung gebracht werden können, ist es nötig, die sogenannte Fotodokumentation aktuell zu halten. Dies bedeutet, dass in regelmäßigen Abständen die Schildkröte auf einem schwarz weißen Karopapier (Kästchen je 1x1cm) in Bauch- und Rückenlage fotografiert und den Papieren beigelegt werden. Je nach Bundesland ist diese Fotodokumentation für den eigenen Verbleib bestimmt oder aber muss regelmäßig der Behörde vorgelegt werden. Ein Verzicht dieser Dokumentation kann zur Folge haben, dass sich die Zuordnung von Tier zu Papier nicht mehr nachvollziehen lässt, die Papiere dadurch ihre Gültigkeit verlieren und somit sowohl das Halten als auch das Vermarkten deutlich erschwert wird. Je nach Bundesland wird dies unterschiedlich stark geahndet bis hin zur Beschlagnahmung und Bußgelder. Es sollte daher unbedingt im Interesse von Halter und Verkäufer sein, keine Tiere ohne Papiere zu (ver-)kaufen sondern darauf zu achten, dass sowohl die Papiere vorhanden sind als auch die Fotodokumentation aktualisiert wird, je jünger die Tiere, desto öfter sind die Fotos nötig. 





In manchen Fällen kommt es vor, dass Schildkröten keine Papiere haben, zum Beispiel bei Fundtieren, bei Tieren die schon vor Einführung der Papiere in den Händen des Halters sind, bei Tieren aus dem Tierheim oder Auffangstationen. In den meisten Fällen ist das Halten dennoch erlaubt, allerdings eine Vermarktung verboten. Das bedeutet, damit aus der illegalen eine legale Haltung wird, stellt die Behörde einen sogenannten Überlassungsvertrag aus. Da aber nicht jedes Fundtier automatisch legalisiert werden kann sondern jedes Bundesland unterschiedlich streng dies handhabt, ist es auf jeden Fall nötig, hier im freundlichen Austausch zu gehen. Manche Bundesländer lehnen eine Haltung ohne Papiere grundsätzlich ab, andere sind da recht locker und wieder andere möchten zuvor das Zuhause der Tiere ansehen. Hier gibt es starke Unterschiede, aber es sollte immer im Interesse des Halters sein, die Haltung nicht zu verheimlichen oder aus anderen Gründen illegale Haltung umzusetzen, zu fördern oder anderen dies nahelegen sondern als gutes Beispiel voran gehen und Tiere stets artgerecht und legal zu halten.

Einzige Ausnahme unter den europäischen Landschildkröten stellt die Russische Vierzehenschildkröte dar. Sie muss zwar auch gemeldet werden, benötigt aber anstelle der EU Bescheinigung lediglich einen sogenannten Herkunftsnachweis. Damit soll ausgeschlossen werden, dass sie illegal der Natur entnommen wurde.


Wie funktioniert das Ganze nun?

Wenn Sie eine Schildkröte erwerben, bekommen Sie zusammen mit der Schildkröte die papiere ausgehändigt zusammen mit den Fotos. Nehmen Sie Abstand von Käufe(r)n, die Ihnen Tiere ohne diese Papiere verkaufen wollen. Manche vertrösten Käufer damit, die Papiere seien in Arbeit und können nachgereicht werden, aber bitte vertrauen Sie nicht darauf. Kein (Ver-)Kauf ohne Papiere!

Nun wenden Sie sich an Ihre Behörde (siehe dazu z.B. die Adressliste in der App). Diese Behörde benötigt in der Regel eine Kopie der Papiere sowie Ihre aktuelle Anschrift, also den neuen Wohnort der Schildkröten. Ob weitere Daten nötig sind (z.B. Fotodokumentation) wird unterschiedlich behandelt. Fragen Sie daher gerne schriftlich, telefonisch oder persönlich nach. In Deutschland ist die Anmeldung kostenlos, in Österreich kann je nach Bundesland eine Anmeldegebühr fällig werden. Das war´s auch schon. Je nach Bundesland wird ist das Vorlegen der Fotodokumentation in den Folgejahren nötig, aber mehr muss man nicht machen. Ansonsten muss man die Daten nur bei Bedarf aktualisieren, Zum Beispiel Umzug Tod oder wenn die Schildkröte vermisst wird.

Was ist, wenn man Schildkröten ohne Papiere bekommt?

Nimmt man eine Schildkröte aus dem Tierheim oder der Auffangstation auf, reicht das Vorlegen dessen Dokument, also der Nachweis, dass das Tier dort erworben wurde. Bekommt man hingegen eine Schildkröte geschenkt, wird das Ganze schwieriger. Findet man eine Schildkröte, muss der Fund gemeldet werden. Je nach Bundesland darf man übergangsweise als Pfleger sie behalten oder muss sie im Rahmen einer Beschlagnahmung an eine offizielle Pflegestelle abgeben. Findet sich nach Ablauf einer Frist kein Halter, kann der Verbleib mit einem sogenannten Überlassungsvertrag ermöglicht werden. Bekommt man eine Schildkröte vererbt, dann sind es oft Exemplare, die schon im Bestand waren noch bevor das Artenschutzeinkommen wirksam wurde. Hier können private Fotos aus dem Alltag des Halters helfen, nachzuvollziehen, dass sie wirklich vererbt und länger im Bestand ist.

Zusammen gefasst ist eine Haltung auch ohne Papiere möglich, dann besteht allerdings keine Vermarktungsgenehmigung. Schildkröten ohne Papiere dürfen nicht verkauft werden. Im Falle von Übernahme ohne Papiere ist es ratsam, die Situation der Behörde zu schildern. Je nach Bundesland, Sachbearbeiter und persönlicher Situation wird dann eine individuelle Lösung gefunden. Wichtig ist stets ein freundlicher Kontakt mit nötigen Hintergrundinformationen.